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Lokführer Knopf muss auf das Abstellgleis

Moorbahn: Bramstedter Betreiberverein verkündet das Aus

Wolfgang Klietz  

Um die Strecke instand zu halten, fehlen Geld und Personal. Betrieb wird aus Sicherheitsgründen eingestellt.

2010-02-02 nz
Foto: Wolfgang KLIETZ

 Bad Bramstedt. Loks und Wagen haben ihre letzte Runde gedreht, auf den Gleisen an der Oskar-Alexander-Straße herrscht Ruhe: Die Bramstedter Moorbahn fährt nicht mehr. Der Vorsitzende des Betreibervereins "Kurbahn" hat das Aus für die 1,2 Kilometer lange Strecke südlich des Klinikums verkündet. Knopf will allenfalls mit seinem Fuhrpark noch Torf aus Moor holen, wenn das Klinikum Bedarf anmeldet. Die beliebten öffentlichen Fahrtage mit Passagieren sind gestrichen.

"Die Sicherheit ist nicht mehr gewährleistet", sagt Knopf. "Die Strecke ist völlig marode." Dem Verein fehle es nicht nur am Geld. Auch das Personal reicht nicht aus, um die schmalen Gleise auf dem weichen Untergrund in Schuss zu halten. "Wir haben nur drei aktive Mitglieder", sagt der Vereinsvorsitzende. Hinzu kommen 25, die in die Vereinskasse zahlen. Knopf: "Wir brauchen Leute, die anpacken."

Der Aufwand für einen sicheren Betrieb wäre enorm: 1000 Holzschwellen müssten erneuert werden. Der Verein besitzt nur zehn. Für die Sanierung wären im morastigen Boden aufwendige Erdarbeiten notwendig, die ebenfalls Geld kosten oder jede Menge Helfer mit Schaufeln beanspruchen würden.

Auch im Lokschuppen sieht es finster aus: Nur noch eine von drei Loks ist betriebsbereit. Knopf hat zunehmend Schwierigkeiten, Ersatzteile zu beschaffen oder selbst herzustellen. 14 Lorenwagen für den Torftransport stehen jetzt ungenutzt auf den schmalen Gleisen. "Wie es weitergeht, steht in den Sternen", sagt der Eisenbahner. Bei den öffentlichen Fahrtagen hätten die Einnahmen kaum noch die Kosten gedeckt.

Knopf hatte bereits vor einem Jahr große Teile seiner Sammlung mit Fahrzeugen seiner Marine-Eisenbahn verkauft, die ebenfalls in Bad Bramstedt gestanden hatte. Die Loks werden jetzt im Verkehrsmuseum bei Prora auf Rügen ausgestellt. Nur ein paar Wagen sind in der Kurstadt geblieben. Die Hoffnung, öffentliche Hilfe zu bekommen, hat der Vereinsvorsitzende aufgegeben. Zwar werbe die Stadt im Tourismusbüro mit der Attraktion Moorbahn, doch die Unterstützung sei gleich Null, sagt Knopf. Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach antwortet mit klaren Worten: "Stadt und Klinikum können nicht helfen."

Inwieweit die Bahn bei den Planungen für den "Naturerlebnisraum Moor" einbezogen wird, ist noch offen. "Wir haben Akteure mit unterschiedlichen Zielrichtungen", sagt der Bürgermeister. Außerdem müsse zunächst Klarheit über das touristische Konzept geschaffen werden. Dazu sei es erforderlich, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. "Wir kommen auf Herrn Knopf zu", verspricht der Bürgermeister.

Wer den Verein unterstützen möchte, sollte sich bei Knopf, Tel. 0171/535 15 72, melden.

Erschienen im Hamburger Abendblatt / Norderstedt Zeitung