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400 Bahnschwellen in Bad Bramstedt gestohlen

 

Sind die Täter Metalldiebe, oder haben sie im Auftrag eines ausländischen Moorbahnbetreibers gehandelt? Sechs Tonnen wurden weggeschafft.

2011-10-25 nz kl

Foto: Wolfgang Klietz

Bad Bramstedt. Nach diesem Coup dürfte die Diebe ein schmerzhafter Muskelkater plagen: Unbekannte haben auf dem Gelände der Moorbahn in Bad Bramstedt Schwellen und andere Eisenbahnutensilien mit einem Gesamtgewicht von rund sechs Tonnen aus dem Lokschuppen geschafft und mit einem Fahrzeug abtransportiert. Jetzt ist die Zukunft der kleinen Bahn, die seit wenigen Monaten saniert wird, ungewiss. "Die Täter haben genau das geklaut, was wir brauchen", sagt Andreas Knopf vom Förderverein Deutsche Feldbahn.

Die Täter stahlen 400 Bahnschwellen aus Metall, die pro Stück etwa zehn Kilogramm wiegen, und 300 bis 400 Winkellaschen. Sie werden beim Bau von Kurven eingesetzt und verhindern, dass bei der Montage zwischen den Schienen Lücken entstehen. "Die werden seit 20 Jahren nicht mehr hergestellt", sagt Knopf. "Die kann man nicht neu kaufen."

Die Täter nahmen nur bestimmte Materialien mit, andere ließen sie liegen

Wie er ohne die Winkellaschen die Strecke ins Moor sanieren kann, ist dem Eisenbahner ein Rätsel. Außerdem fehlen eimerweise Nägel. Knopf geht von einem Schaden von mindestens 10 000 Euro aus. Das Klinikum Bad Bramstedt, der das Moorgelände gehört, hat die Polizei eingeschaltet. Die Polizei vermutet, dass die Täter es auf das Metall abgesehen haben, um es gewinnbringend zu verkaufen. "Die Serie der Metalldiebstähle reißt nicht ab", sagt Polizeisprecher Bernd Tegebauer. Eisenbahner Knopf vertritt eine andere Theorie: Da die Einbrecher nur bestimmte Utensilien mitgehen ließen, andere jedoch verschmähten, glaubt er, dass das Material gezielt für einen Auftraggeber im Ausland gestohlen wurde.

"In Polen und im Baltikum sind die Sachen sehr begehrt", sagt Knopf. Dort würde zunehmend Moor abgebaut und nach Deutschland exportiert. Der Abbau im westlichen Europa sei wegen der strengen Umweltauflagen weitgehend zum Erliegen gekommen. "Es wird in Deutschland sehr viel Feldbahnmaterial gestohlen", hat Knopf erfahren.

Er geht davon aus, dass sich die Täter keine großen Sorgen machen mussten, entdeckt zu werden. Das umzäunte Gelände liegt im Kurgebiet mitten im Wald am Ende der Oskar-Alexander-Straße und ist von außen kaum einzusehen. Schilder am Eingang warnen vor der Lebensgefahr beim Betreten des Moores.

Der Diebstahl liegt wahrscheinlich länger als eine Woche zurück. Am 17. Oktober war dem Moormeister des Klinikums aufgefallen, dass das Schloss am Tor verschwunden war und hatte Knopf angerufen, der sich zunächst keinen Reim darauf machen konnte.

Moorbahner hatten sich vorgenommen, die alte Strecke wieder herzurichten

Am Sonnabend war ein Fernsehteam zu Gast, um über den bevorstehenden Tag der offenen Tür der Moorbahn am kommenden Sonnabend zu berichten. Nachdem Knopf die Journalisten verabschiedet hatte, ging er in den weiträumigen, schlecht beleuchteten Lokschuppen, um eine Metallstange auf dem Werkzeugwagen zu verstauen. "Das war der Hammer", sagt der Eisenbahner. Der Wagen war weitgehend leer geräumt.

Am Sonntag beobachtete ein Feldbahner bei Reparaturarbeiten am Schuppen erneut zwei Verdächtige. Sie trugen Tarnkleidung und rannten davon, als sie entdeckt wurden. Jetzt rätselt Knopf, ob die Diebe ein weiteres Mal zuschlagen werden.

Der kleine Verein ist nicht versichert, sodass unklar ist, wo und wie das Material für die Sanierung beschafft werden kann. Die Moorbahner hatten sich vorgenommen, die marode Strecke herzurichten, damit sie ab dem Frühjahr wieder komplett befahren werden kann. Schwellen werden sie auf dem Gelände auf zwei Rangiergleisen besorgen, die demontiert werden sollen. Das größere Problem sind die Laschen. Knopf überlegt, ob es gelingt, sie aus Einzelteilen zusammenzuschweißen.

An Diebstähle haben sich die Moorbahner fast gewöhnt

An Diebstähle haben sich die Moorbahner fast gewöhnt, doch dieses Mal hat die Tat sie schwer getroffen. "Hier wurden schon Schrott und Werkzeuge geklaut", sagt Knopf. "Vor ein paar Wochen waren zwei ganze Feldbahnwagen weg."

Trotz des Diebstahls soll der Tag der offenen Tür wie geplant am Sonntag ab 10 Uhr stattfinden. Auf dem Programm stehen Draisinenfahrten, eine Fahrzeugschau und Führungen durch das Moor, das normalerweise für Besucher nicht zugänglich ist. Außerdem ist ein Schaubetrieb mit den Fahrzeugen geplant.

Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 04192/391 10 entgegen.

 

Erschienen im Hamburger Abendblatt / Norderstedter Zeitung