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Hamburger Abendlbatt: Bahn ins Bad Bramstedter Moor

Gehen Sie doch rund um Hamburg mal auf Entdeckungstour – etwa nach Bad Bramstedt: Die Moorbahn, die idyllisch im Wald südlich des Kurgebiets liegt, ist nicht nur etwas für Eisenbahnfreunde. - Von Helge Buttkereit

 von Helge ButtgereitBad Bramstedt. Bereits der Weg ins Moor verspricht Erholung. Die Kurbahn Bad Bramstedt liegt idyllisch im Wald südlich des Kurgebiets. Vorbei an den Kliniken und Kureinrichtungen geht es auf eine ungeteerte Straße mit einigen Schlaglöchern. Viele Wege durch den Wald laden zur Wanderung an der Schmalfelder Aue ein, und kurz vor dem Besuchereingang der Kurbahn beginnt dann auch noch der Trimm-dich-Pfad im Wald. Aber am Fahrtag – der nächste steigt am 7. September – ist die Bahn der Anziehungspunkt. Als echte Feldbahn fährt sie ins Moor.

 

Möglich machen dies Christian Stockmar und der Förderverein Deutsche Feldbahn, an dessen Spitze er als einer von zwei Vorsitzenden steht. Am Fahrtag wirft er sich in Schale, trägt einen einteiligen Blaumann mit Kurbahn-Schriftzug und passender Mütze. Den Gästen soll schließlich etwas geboten werden in "Hamanns Sumpf", in dem bis heute das Moor aus dem Klinikum Bad Bramstedt aufbereitet wird. Für das Moor, genauer für seinen Transport aus dem Moor zur Klinik und wieder zurück, wurde 1931 die Kurbahn gebaut. Als 1977 die Pipeline in Betrieb ging, ging die Zeit der Bahn langsam zu Ende. Heute fährt die Kurbahn nur noch für Gäste – und das kostenlos gegen eine Spende.

 

Los geht es am alten Moorschuppen, vor dem die kleine Feldbahn mit 600 mm Spurweite fast verloren wirkt. Die Größe des lang gezogenen Holzgebäudes erklärt Walter Lauenstein damit, dass hier früher das Moor lagerte. Vor allem im Winter, denn bei Minusgraden brauchte man Vorräte. Lauenstein kennt die Geschichte des Moores, später wird er noch mehr dazu erzählen. Bevor die Fahrt losgeht, muss Lokführer Stockmar kurbeln. Denn die gut 50 Jahre alte Lok der Firma Jung hat keinen regulären Anlasser. Stockmar hat Erfahrung, nach zwei Umdrehungen tuckert der Dieselmotor.

Alles wirkt wie in der Pionierzeit der Eisenbahn

Dann pfeift der Schaffner, der Lokführer bimmelt, und die Lok zuckelt mit den Waggons über die etwa 900 Meter lange Strecke. Die Wagen sind offen, die Bänke aus Holz und die Gleise wie vor 150 Jahren per Hand zusammengebaut. Alles hier wirkt ein wenig wie in der Pionierzeit der Eisenbahn. Nach etwa der Hälfte der Strecke hält die Bahn neben einem Moorbecken, das vom Förderverein "entkusselt" wurde, wie das Freischneiden der Moorbecken heißt. Hier sind die Dämme gut zu sehen, auf denen früher die Gleise der Bahn lagen – die Arbeiter schaufelten das Moor in Loren und bewegten sie per Hand oder mit Pferden auf dem Gelände. Die Loks waren nur zum Transport zur Klinik gedacht, erzählt Walter Lauenstein.

Während Stockmar und viele andere Vereinskameraden durch die Liebe zur Eisenbahn zur Feldbahn kamen – neue Freiwillige werden immer gesucht –, waren es für den 69-Jährigen die Mooranwendungen in der Kurklinik. "Ich wollte mir dann einmal die Bahn angucken und bin gefragt worden, ob ich mitmachen will", sagt Lauenstein. Zwar kann er selbst nicht beim Gleisbau mit anpacken, aber auch die Moorführungen sind für die Kurbahn-Freunde wichtig. Und an der derzeitigen Endstelle der Bahn – der weitere Ausbau der derzeit 1400 Meter Gleisanlagen ist geplant – geht es dann auch aufs Moor.

Der Boden unter den Füßen wackelt und federt die Schritte ab. Unter der festen Oberfläche ist es feucht und sumpfig, passieren kann aber nichts. Am Rand steht ein Eimer, in dem das Moor wie in der Klinik mit Wasser verdünnt ist. Das Wasser wird bei der Aufbereitung abgepumpt, erklärt Lauenstein, es werde fest und damit begehbar. Er nimmt einen Klumpen von einer tieferen Schicht, der gut zu kneten ist. "Je tiefer man gräbt, desto nasser ist das Moor", sagt Lauenstein.

Er erklärt, wie das Moor durch abgelagerte Gräser und Blätter entsteht, die sich durch Sauerstoffmangel in einer Senke mit Wasserüberschuss nicht vollständig zersetzen konnten. Etwa 9000 Jahre ist das Moor in Bad Bramstedt alt und wird seit vielen Jahren unter anderem gegen Rheumaschmerzen eingesetzt. Und auch die Eisenbahnfreunde profitieren davon. "Ohne Moor gibt es keine Kurbahn", sagt Christian Stockmar. "Wir erhalten als Verein auch das Moor." Er bringt die Fahrgäste schließlich zurück zum Bahnhof, dort gibt es an Fahrtagen Kuchen und Getränke.

Im Garten der Sinne gibt es auch einen Rückzugsort

Wer nach der Fahrt etwas für die eigene Gesundheit tun will, der muss nicht gleich ins Moorbad steigen. Zwei Kilometer weiter direkt zwischen dem Hotel Köhlerhof (heute: Tryp by Wyndham) und der Hudau liegt der "Garten der Sinne". Er ist in die fünf Elemente des Gesundheitskonzepts von Sebastian Kneipp eingeteilt, und das sei nicht nur etwas für alte Leute, sagt Ursula Groth. Sie war lange Jahre Landesvorsitzende des Kneipp-Bundes, hält die Bad Bramstedter Anlage für die schönste im Land und beginnt den Rundgang durch den Garten am berühmtesten Teil der Kneipp-Lehre, dem Kneipp-Becken. "Man sollte entweder das Fußbad oder das Armbad nehmen", sagt die 72-Jährige und badet ihre Arme mehr als eine Minute im kalten Wasser. "Wenn es zu kalt wird, muss man raus, bei mir dauert das immer lange."

Direkt neben dem "Garten des Wassers" sind im "Garten der Heilkräuter" Themenbeete nach der jeweiligen Wirkung des Krauts angelegt. Dann kommt der "Garten des Tastens". Ursula Groth zieht die Sandalen aus. Holz, Steine und Rindenmulch bekommen die Füße auf dem Barfußpfad zu fühlen. Auch ein wenig trockenes Moor ist dabei. Nebenan im "Garten der Ordnung" sind Steine wie eine Schnecke angeordnet – als Rückzugsort. "In der heutigen hektischen Zeit ist es wichtig, dass man Orte findet, um sich auf sich selbst zu besinnen", sagt Groth und schließt die Augen.

Wer nun nach Storchschritten im Kneipp-Becken richtige Störche sehen will, der muss ins benachbarte Hitzhusen weiterfahren. Auch nach dem Abflug der meisten Vögel in den Süden sind hier direkt gegenüber dem Forsthaus einige zu sehen, die den Winter über gefüttert werden. Auf Tafeln gibt es weitere Informationen zu den mittlerweile mehr als 30 Nestern in der Gemeinde.

Von Hitzhusen aus ist es nicht mehr weit nach Kellinghusen, wo es im Stadtmuseum für die Freunde des Porzellans Fayencen aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu sehen gibt. Auf dem Rückweg nach Bad Bramstedt bietet sich noch ein Abstecher nach Wrist mit seiner kleinen Feldsteinkirche im Ortsteil Stellau an, an deren Friedhofseingang der Teufelsstein liegt. Der Sage nach wurde er vom Teufel im Strumpfband seiner Großmutter nach Stellau geschleudert. Das Band riss, und der Stein verfehlte die Kirche knapp. Heute stehen auf dem Stein die Daten der Gemeindegründung (1189), des Kirchenbaus (1201) und der Kirchweihe (1230).

Quelle: Hamburger Abendblatt