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- Ohne Titel - (SZ)


Bad Bramstedt -Droht einer traditionellen Touristenattraktion der Rolandstadt das endgültige Aus? Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, rollt die beliebte Kurbahn für immer aufs Abstellgleis. Alle Fahrtage dieses Jahres auf dem Gelände an der verlängerten Oskar-Alexander-Straße sind bereits gestrichen. „Wir können die Sicherheit unserer Fahrgäste nicht mehr garantieren“, erklärt Andreas Knopf vom Betreiberverein die Existenznot. Mittlerweile hat sich Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach eingeschaltet, um die Mini-Bahn eventuell doch noch zu retten.
Das vorläufige Betriebsende auf der 1,4 Kilometer langen Gleisanlage fällt Knopf nicht leicht. „Die Strecke ist mittlerweile absolut marode“, erklärt der Vorsitzende vom Förderverein Deutsche Feldbahn. Deshalb sei die Sicherheit der Fahrgäste nicht mehr gewährleistet. Ursache der Misere sind die Holzschwellen, an denen der Zahn der Zeit im morastigen Boden heftig genagt hat. Nach seinen Schätzungen müssen rund 1000 Schwellen ausgetauscht werden, zur Renovierung haben die Idealisten gerade mal zehn Exemplare gelagert.

Bei der notwendigen Totalsanierung im Bramstedter Moor hinter dem Klinikum muss viel Erde bewegt werden. Diesen finanziellen Gewaltakt können die Hobby-Bahner aus eigener Kraft nicht stemmen. Bahn-Chef Knopf gibt sich deshalb keinen Illusionen hin. „Wir haben nur ein halbes Dutzend Aktive, die zupacken“, meint er bedauernd. Dazu kämen 25 passive Mitglieder, die in die Vereinskasse einzahlen. Auch die beliebten öffentlichen Fahrtage im Sommerhalbjahr mit 100 Passagieren im Schnitt reichten kaum zur Deckung der laufenden Kosten. „Bei unseren Sonderfahrten mit der Jägerschaft, der Rheumaliga oder Schulklassen waren alle begeistert“, erklärt Thomas Rath. Der gebürtige Bad Bramstedter erklärte auf den halbstündigen Fahrten durch das Moorabbaugebiet der früheren Rheumaklinik und zurück Wissenswertes über das Moor. Fahrten und Erklärungen waren kostenlos, die Teilnehmer wurden nur um Spenden gebeten.

Der Schienenbetrieb hat längst Tradition. Auf der 600-Millimeter-Spur transportierte die Lorenbahn den wertvollen Naturstoff in die Rheumaklinik - bis 1979. Danach wurde das Moor durch Pipelines in die Klinik befördert. Mittlerweile hat das Moor seine medizinische Bedeutung weitgehend verloren und wird nur noch Therapie ergänzend angewendet. Die Rheumaklinik verkaufte 1998 die komplette Bahnanlage an den Lübecker Andreas Knopf. Betreiber wurde der damals neu gegründete Verein „Wald- und Moorbahn Bad Bramstedt“ (WuM). Doch nach einigen Jahren erfolgreichen Betriebs, in denen die Lorenbahn als Attraktion weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurde, gab es Streit im Vereinsvorstand, der sogar in Strafanzeigen gipfelte. Knopf hatte die Vereinsmitglieder mit eigenmächtigen Entscheidungen und Plänen verärgert, ein Militärbahnmuseum aus der Anlage zu machen. 2002 kam die Trennung, Knopf gründete einen eigenen Verein. WuM hat sich mittlerweile aufgelöst, das Vereinsvermögen von 2000 Euro wurde der Lebenshilfe und der Jugendfeuerwehr in Bad Bramstedt gespendet.

Nicht nur die Gleise sind bei der Kurbahn in einem beklagenswerten Zustand. Auch im Lokschuppen sieht es traurig aus: Nur noch eine von drei Loks ist betriebsbereit. Für Knopf wird es immer schwerer, Ersatzteile zu besorgen. Noch zum Frühjahr 2007 hatte ein Gutachter der Bahn gemäß der „Eisenbahnbetriebsordnung für Schmalspurbahnen“ die Verkehrssicherheit bescheinigt - das ist Vergangenheit.

Knopfs Hoffnung, öffentliche Hilfe zu bekommen, „ist gering2, betonte der Vereinsvorsitzende. Zwar werbe die Stadt im Tourismusbüro mit der Attraktion Moorbahn, doch vermisse er jede Unterstützung. Als Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach von der Existenznot der Feldbahn erfuhr, bat er Knopf zu einem Vier-Augen-Gespräch ins Rathaus. Nach Angaben des Verwaltungschefs ist nach der Schneeschmelze zunächst einen Ortstermin mit den Feldbahnern und dem Klinikum als Eigentümer des Bahngeländes geplant. Eventuell könne die mit EU-Geldern geförderte „Aktivregion Holsteiner Auenland“, dessen Vorsitzender Kütbach ist, helfen, meinte Kütbach. Beim Stadtjubiläum wollen die Feldbahner die Anlage Neugierigen auf jeden Fall präsentieren.

INFOS zur BU: Wer den Verein unterstützen möchte, kann sich beim Vorsitzenden Andreas Knopf melden, Handy 0171 - 535 15 72. Knopf betreibt in Brandenburg und in Schermbeck/Nordrhein-Westfalen mit Vereinsfreunden zwei weitere kleine Schmalspurbahnen. In Bad Bramstedt hatte er Loks und Anhänger von ehemaligen Bahnen der Marine gesammelt. Den größten Teil hat er verkauft. Sie sind jetzt im Verkehrsmuseum bei Prora auf Rügen.

 

Erschienen in der Segeberger Zeitung