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    Bad Bramstedt: Fouad Ghattas und andere Eisenbahnfreunde sorgen dafür, dass die Moorbahn in Harmanns Sumpf immer wieder auf Touren kommt.

    Bad Bramstedt. Professor Ghattas (65) zieht seine blaue Schirmmütze zurecht und wartet an der Weiche. Der Zug naht im Schritttempo. Lokführer Thomas Rath (47) gibt das Zeichen mit der Hand: Nach rechts, bitte. Der Professor für Maschinenbau packt zu. Mit aller Kraft drückt er den Hebel nach vorne, die Weiche bewegt sich, der Zug rollt ordnungsgemäß nach rechts. Das hat geklappt. Fouad Ghattas freut sich. Er hat ganze Arbeit geleistet.

    Freiwillig zieht er am Wochenende seine blaue Arbeitermontur an und verrichtet seinen Dienst als Weichensteller im Harmanns Sumpf in Bad Bramstedt. Genau wie Maschinenbauingenieur Thomas Rath, der aus Zarpen angereist kommt, um seinem Eisenbahnhobby nachkommen zu können. Beide gehören zu den Freunden der Bramstedter Moorbahn, die am Wochenende wieder Fahrt aufgenommen hat.

    Am Tag der offenen Tür nutzten viele Besucher die Gelegenheit, sich mit der kleinen Bahn durch das Moorgelände hinter der Rheumaklinik kutschieren zu lassen. 800 Meter hinein in das Moor. Endstation. Dann 800 Meter zurück. Kaffeepause. Mit den diversen Nebengleisen, auf denen die Loren abgestellt sind, liegen 1200 Meter Schienen im Harmanns Sumpf, aus dem die Rheumaklinik mit der Moorbahn tatsächlich immer noch gelegentlich Moorschlamm transportiert, obwohl der heilsame Matsch heute hauptsächlich per Pipeline in die Klinik transportiert wird . Bis zu 20 Kubikmeter werden pro Tag benötigt, um die Schlammbäder für die Patienten anzurichten. Nostalgie hin, Eisenbahnromantik her - die Moorbahn erfüllt noch ihren Zweck.

    Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 13 Stundenkilometer

    Die kleine Lokomotive ist 41 Jahre alt und hat so ihre Eigenarten. Thomas Rath kennt sich aus. Bevor er den 11-PS-Dieselmotor morgens anwirft, dreht er die Ölpumpe zunächst mit der Hand. Gut 20-mal, dann ist der Motor schon mal vorgeschmiert und springt tadellos an. Dann geht es los: Der erste Gang - fünf Stundenkilometer. Der zweite Gang - acht Stundenkilometer. 13 Stundenkilometer schafft die Lok im vierten Gang, aber so rasant geht es nun auch wieder nicht durchs Moor. Immer schön langsam bleiben. Das ist besser. Zumal die Räder zum Durchdrehen neigen, wenn die Gleise feucht sind.

    Viele Male geht es am Tag hin und her, und immer steht Professor Ghattas parat, um am Ende der Strecke die Weiche zu stellen. Im Sommer sollen interessierte Besucher künftig einmal im Monat Gelegenheit haben, mit der Moorbahn durch das Gelände zu fahren.

    Erschienden im Hamburger Abendblatt / Norderstedter Zeitung