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    In vielen Städten liegen sie im Pflaster: sogenannte Stolpersteine, die an das Schicksal NS-Verfolgter erinnern. Seit Donnerstag hat auch Bad Bramstedt zwei. Sie erinnern an den Klinikgründer Oskar Alexander und seinen Sohn Robert. Der Vater starb im KZ, der Sohn floh nach Kolumbien.

    Künstler Gunter Demnig (mit Hut) verlegt seit 20 Jahren Stolpersteine. Diese erinnern an Oskar und Robert Alexander. Initiator Fritz Bredfeldt hatte zu der Feier die Nachfahren Karen Alexander und Lizi Alexander-Christiansen eingeladen. Quelle: Einar Behn

    Der Name Oskar Alexander ist eng mit der neueren Geschichte Bad Bramstedts verbunden. Er gründete in den 1930er Jahren die damalige Rheumaheilstätte, heute Klinikum Bad Bramstedt. Ohne sie gebe es heute den Kurort in seiner jetzigen Form nicht. Die Gedenksteine wurden vor dem "Haus an den Auen" verlegt, dort hatten Vater und Sohn zeitweilig gelebt. Seine unzweifelhaften Verdienste schützten Oskar Alexander wegen seiner jüdischen Abstammung aber nicht vor der Verfolgung durch das Naziregime, die für ihn 1942 tödlich im KZ-Sachsenhausen endete.

     

    1938 nach Kolumbien geflohen

    Sein 1913 geborener Sohn Robert war bereits 1938 vor den Nazis nach Kolumbien geflohen, wo auch seine Töchter Lizi Alexander-Christiansen und Karen Alexander aufwuchsen, die heute in Celle und Berlin leben. Fritz Bredfeldt, Initiator der Stolpersteinverlegung, hatte die beiden Töchter zu der Feierstunde nach Bad Bramstedt eingeladen. Lizi Alexander-Christiansen (56) kennt ihren Großvater nur aus den Erzählungen ihres Vaters. Er sei ein zielstrebiger Mann gewesen. „Mein Vater hat viel davon erzählt wie er die Rheumaheilstätte aufbaute, er war sehr stolz auf seinen Vater“, erzählte Lizi Alexander-Christiansen. „Von der Verfolgung allerdings erzählte er nichts, darüber redete er nicht gerne.“ 

    Über die NS-Zeit wurde geschwiegen

    Im Jahr 1992 war die Familie Alexander zu Besuch in Bad Bramstedt. Sie lebten damals alle noch in Kolumbien. Die Segeberger Zeitung berichtete groß darüber. „Dadurch habe ich zum ersten Mal gehört, dass die Familie jüdischer Abstammung ist. Mein Vater mahnte aber, die Kinder sollen den Zeitungsartikel nicht in der Schule zeigen. Auch in Kolumbien gebe es Antisemitismus.“ Die Furcht vor der Judenfeindlichkeit habe ihn sein ganzes Leben begleitet. Robert Alexander, der in seiner neuen Heimat auch beruflich schnell Fuß gefasst hatte und acht Sprachen konnte, starb 1993 in Kolumbien.

    Das Geld für die Ausreise fehlte

    In einer Rede erinnerte Lizi Alexander-Christiansen an ihren Großvater und ihren Vater. Die Innenarchitektin zitierte aus Tagebuchaufzeichnungen ihres Großvaters, der in reger Korrespondenz zum seinem 1938 ausgewanderten Sohn Robert stand. „Die beiden hatten ein sehr enges Verhältnis, denn mein Großvater hatte meinen Vater alleine groß gezogen“. Die Mutter war gestorben als Robert vier Jahre alt war. Robert wollte seinen Vater nach Kolumbien nachholen. Aber anfangs hatte Oskar Alexander nicht glauben wollen, dass ihm, der auch im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft hatte, ernsthaft etwas zustoßen könne. Und das, obwohl er bereits 1938 für kurze Zeit verhaftet worden war. Später, als die Judenverfolgung immer schlimmer wurde, habe ihm schlicht das Geld für die Ausreise nach Kolumbien gefehlt.

     

    Schule zeigt Ausstellung über Antisemitismus

    Fritz Bredfeldt, selbst pensionierter Oberstudienrat und Stadtverordneter der Grünen, hatte sich aus Anlass der Stolpersteinverlegung an die Gemeinschaftsschule Auenland gewandt, um auch die junge Generation einzubeziehen. Lehrerin Manuela Struve und ihr Kollege Philipp Stoß griffen das dankbar auf. Sie organisierten mit Geschichtskursen des elften und zwölften Jahrgangs eine Ausstellung zum Antisemitismus vom Mittelalter bis heute und zu der Familie Alexander. Sie kann von interessierten Bürgern besichtigt werden. Die Feierstunde bereicherten die Schüler mit Gedichten und Erzählungen.

    Rund 80 Interessierte nahmen teil

    Bredfeldt sagte in seiner Begrüßungsansprache vor rund 80 Interessierten: „Hier und jetzt geht es nicht einfach um das Gedenken an vergangenes Unrecht. Auch heute wächst in Deutschland der Hass auf Mitbürger, deren Wurzeln nicht in Deutschland liegen, es gibt wieder unverhohlenen Antisemitismus. Und es bleibt nicht bei hasserfüllten Reden. Ich erinnere hier an den Anschlag auf die Synagoge in Halle, den Mord an Walter Lübke, die Taten des NSU. Dem Ungeist müssen wir gemeinsam entgegentreten.“

    Das Wort ergriff auch Hans-Jürgen Kütbach. Der frühere Bad Bramstedter Bürgermeister leitet heute den Trägerverein der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen. „Wir, die heute leben, sind wohl die letzten, die noch die Möglichkeit haben, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus zu sichern.“ Das sei ein Auftrag, damit sich das Geschehene nicht wiederhole, so Kütbach

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